Der zweite Donnerstag von Scheibbs

 

In Wien, im Amt, da fließt viel Schweiß

vom Haupt der Hofbeamten,

denn alle woll’n a Ausnahm’ hab’n;

sogar die Ministranten.

Die meiste Arbeit aber macht,

dem Kaiser täglich: Tag und Nacht!:

 

„Das kann doch nur ein Irrsinn sein!,

was fiel den Scheibbsern da bloß ein?

Was soll denn diese blöde Frag?

Sie woll’n an zweiten Donnerstag!“

 

Zuerst woll’n sie ein zweites „b“

In ihrem Städtchennamen,

damit man’s auch gut hören tut,

sonst müsste man sich schamen.

„Wir bieten noch ein Drittes an,

doch Donnerstag, den gibt’s nur an!

Das gäb die schlimmste Sensation,

lief uns die Zeitrechnung davon.

Es ist nicht auszudenken,

wollten wir’s ihnen schenken!“

 

Viel Unheil käm auf uns’re Welt

Mitn Scheibbser Kalendarium.

Die Welt dreht sich im Kreis herum,

doch Scheibbs im Planetarium.

Dass dies `ne Katastrophe wär’!

 

 

Melodie: O wonnevolle Jugendzeit

nach Fritz von Herzmanovsky-Orlando

Text: Roméo

 

Sagt der Gelehrten großes Heer.

Und ganz Europa fürchtet Graus;

wie seh’die Welt dann schrecklich aus!

Sogar dem Kaiser wurde bang,

hört er den lauten Bittgesang.

 

Weil eine runde Umlaufbahn

nicht war für Scheibbs zu finden,

Wurd Schlimmeres vorhergesagt:

es würd im Raum verschwinden.

So flüchteten die Bürger fort;

was übrig blieb, im kleinen Ort:

Das lief zum Kaiser Tag für Tag:

„Herr gib uns unsern Donnerstag“!

Des heil’gen Vaters Segen,

konnt erst den Hof bewegen.

 

Des Kaisers gnädiger Edikt,

hier jubelnd aufgenommen,

verursacht einen Weltkonflikt.

Doch sollt’s soweit nicht kommen.

Der zweite Donnerstag war da;

man war veblüfft, dass nichts geschah.

Ganz friedlich wurd’ es erst im Land

als dann der wahre Grund bekannt!

Denn mit dem zweiten Donnerstag

gab’s noch mehr G’schäft,

am zweiten Tag.

 

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