Florianiwallfahrt - 1. Mai 2009

Zum 4. mal wurde die von der Ötscherland Scheibbs wiederbelebte Wallfahrt durch geführt. Abmarsch bei Sonneschein - Wolken im Hintergrund - stärker werdender Regen auf 2 Dritteln der Wegstrecke. Etwas unter 50 Marschierer werden es gewesen sein, halb so viele kamen motorisiert zur Wallfahrermesse nach,

Stadtpfarrer Karl Hasengst und unser Bundesbruder Diakon Petrus Stockinger v. Exitus begleiteten uns. Exitus hielt die Andacht bei der Barbarakapelle. Unser Pfarrer Hasengst zelebrierte die Messe unter Assistenz von Exitus, der dann auch die Predigt hielt. Diese ist nachstehend wiedergegeben.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Es ist schön, gemeinsam eine Wegstrecke zurückgelegt zu haben. Es ist schön, gemeinsam zu gehen, zu beten, zu singen.

Es ist schön, gemeinsam zu fragen – und ich hoffe, die Impulsfragen auf dem Zettel konnten für viele von euch eine kleine Anregung sein, wieder einmal an die Quellen des Daseins zu gehen: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Woran kann ich mich halten. Es ist schön, Zeit und Muße zu finden, sich diesen Fragen wieder einmal zu stellen.

Gott hat für uns ein eindeutiges Konzept: Es ist der Dreischritt von Schöpfung – Erlösung und Vollendung. Dass wir Christen fest glauben, dass die Welt von einem Gott erschaffen wurde, steht heute vielfach unter Beschuss. Manche meinen, wir Christen würden wortident an den Siebentagesbericht der Bibel glauben. Das tun wir aber nicht – es würde zwar dem Buchstaben, nicht aber dem Geist der Bibel gerecht, das zu tun. Das Wesentliche des Schöpfungsberichtes liegt in der Aussage: Es war sehr gut.

Damit tut Gott etwas kund, was sich nicht weiter rechtfertigen lässt: Eine Aussage darüber, was schließlich und endlich gut  - und damit „richtig“ ist. Wenn das Leben auf der Welt nur Zufall und Evolution ist – ziellos und ergebnisoffen – dann ist auch das Leben jedes einzelnen von uns letztlich ziellos, um es härter zu sagen: Sinnlos.  Es gibt dann keine Aussage mehr darüber, was gut ist und was nicht – denn in der Welt, wie wir wissen, ist alles relativ. Es muss einen absolut herrschenden Gott geben – damit die Welt Sinn und Ziel hat. Wo es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt.

Wenn wir den Schöpfer aus der Welt wegreduzieren – dann wird der Gedanke an Erlösung sinnlos. Dann brauchen wir Jesus nicht, denn: wovon sollten wir denn erlöst werden? Wenn die Welt nur Evolution ist, dann ist Jesus das Paradebeispiel eines sinnlosen Lebens: beim Kampf, bei dem der jeweils Stärkere gewinnt, hat Jesus zweifellos mit weltlichen Augen gesehen - verloren.

Wenn der Gedanke an Schöpfung und Erlösung aufgegeben ist, dann ist auch die Frage nach Vollendung nicht mehr wichtig. Wohin und in welche Richtung sollte denn vollendet werden?

Der Mensch verliert nicht nur seine Wurzeln – er verliert auch seine Zukunft. Alle Ideologien, besonders die des 20. Jahrhunderts, die Gott abgeschafft haben, um den Menschen selbst an seine Stelle zu setzen – sie haben sich blutig gegen den Menschen selbst gewandt. Seien wir vorsichtig, wenn Ideologien, die den Menschen als absoluten Machtinhaber und Gesetzgeber ausweisen, wieder stärker werden – selbst wenn sie unter dem Mäntelchen der Wissenschaft daherkommen.

Wir brauchen eine Welt, die Sinn hat. Und Sinn kann man sich nicht selbst geben, Sinn muss man empfangen. Für den Christen lautet das: Ich bin ein freier Mensch, mit Würde und Selbstbewusstsein ausgestattet, weil mir das von Gott geschenkt wurde. Diese Würde setzt uns in Verantwortung. Mit-Verantwortung für die ganze Schöpfung, für die Menschen, die uns anvertraut sind, für das Umfeld unseres Lebens. Und wir dürfen vertrauen auf den ewigen Gott, von dem wir in der Osternacht sagen: „Sein ist die Zeit und die Macht und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“

Ich als Mensch spiele in der Schöpfung jene zentrale Rolle, die in der Schöpfungstheologie des Hl. Augustinus aufleuchtet: Mitarbeiter Gottes. Ja, jeder Mensch hat das Potential dazu, diesen Titel zu erwerben. In der Taufe wurde uns dieser Titel überreicht: Mitarbeiten am Guten, handeln nach Gottes Vorbild: in Liebe, die nicht ihren eigenen Vorteil sucht, sondern sich herschenkt für andere.

Hier liegt der Weg zur Heiligkeit. Mir ist schon klar. Wir werden in der Scheibbser Kirche nicht Unmengen neuer Heiligenpodeste anschaffen müssen, damit jeder von Ihnen in Kürze dort einen passenden Platz findet. Aber seien wir uns dessen bewusst: In den Kirchenbänken sitzen Sonntag für Sonntag viele dieser „Heiligen“ – dieser „Getauften“, die oft unbemerkt das erfüllen, was eine berühmte Definition über Heilige aussagt: Das gewöhnliche aussergewöhnlich und das aussergewöhnliche gewöhnlich zu tun. Kein Strahlenkranz, kein Heiligenschein umgibt sie, sodass man die Kirche mit Sonnenbrillen betreten müsste vor lauter anwesender Heiligkeit. Das ist auch gut so. Aber es ist heller, wenn Sie und wir alle in der Kirche sind – und mit unserem kleinen Licht des Glaubens erhellt sich der Kirchenraum – nie sehen wir das so schön wie in der Osternacht. Als Geistlicher darf ich das öfter sehen – wenn man einer Versammlung von Gläubigen gegenübersitzt und für sie und mit ihnen Gottesdienst feiert. Und Gott sieht, dass das gut ist. Amen.

Es gilt das gesprochene Wort!

Petrus Stockinger CanReg

Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg